Niereninsuffizienz bei der Katze

Es ist erstaunlich wie schwierig es ist das Alter einer Katze zu schätzen. Äußere Anzeichen sind meistens lange gar nicht zu beobachten. Wenn man aber den Alterungsprozess bemerkt, ist er meinstens schon in einem fortgeschrittenen Stadium.

An dieser Stelle soll eine von vielen Ursachen des schnellen Alterns besprochen werden: Das Nachlassen der Nierenfunktion.

Katzen bekommen meistens sehr eiweißreiches Futter, entweder reines Fleisch, Dosenfutter oder Trockenfutter. Man kann Eiweiß im Futter mit Benzin für das Auto vergleichen. Bei der Verdauung von Eiweiß entstehen Abfallprodukte (Abgase beim Auto), welche im Blut transportiert werden. Die Aufgabe der Niere ist es diese Abfallprodukte aus dem Blut zu filtern und mit dem Urin auszuscheiden.

Bei der älteren Katze versagt allmählich die Nierenfunktion. Die Folge ist, dass nicht alle Abfallprodukte aus dem Blut entfernt werden können. Die Anhäufung von diesen „Abfällen“ wirkt auf Dauer wie eine Art Gift – es kommt zur sogenannten Urämie.

Die ersten Anzeichen einer Urämie sind vermehrtes Trinken. Auf diese Art und Weise versucht der Körper sich sozusagen rein zu spülen. Die Nieren sollen mehr arbeiten. Anfänglich gelingt dies und sie als Tierbesitzer sehen nur das die Katze öfter trinken geht. Während der nächsten Wochen und Monate trinkt sie aber immer mehr und mehr, bis die Nieren es nicht mehr schaffen. Wenn es soweit ist werden auch andere Körper-funktionen stark beeinträchtigt.
Das Blut mit der übermäßigen Menge an Giftstoffen gelangt ins Gehirn, die Katze wird müde und träge. Dieser Zustand ist für die Katze nicht schmerzhaft, jedoch fühlt sie sich matt und müde. In fortgeschrittenem Stadium kann es zu Gleichgewichtsstörungen, Krämpfen, Lähmungserscheinungen sowie Augenveränderungen kommen.

Auch die Verdauung funktioniert nicht mehr richtig. Das Futter wird teilweise unverdaut mit dem Kot wieder ausgeschieden. Die Folge ist, dass die Katze abmagert. Auch das getrunkene Wasser wird nicht mehr vom Organismus aufgenommen und verwertet, was zur Folge hat, dass die Katze trotz viel Flüssigkeitsaufnahme austrocknet. Durch die Urämie vermindern sich auch die Darmbewegungen. Der Nahrungsbrei wird viel zu langsam weiter transportiert, wodurch er stark eintrocknet und es zu Verstopfung und in Folge zu leerem Erbrechen kommt, d.h. es kommt kein Mageninhalt hoch, sondern lediglich ein bisschen gelber oder weißer Schleim.

Durch das schlechte Allgemeinbefinden vernachlässigt die Katze die Fellpflege, das Fell wird stumpf und struppig.

In Leber, Milz und Knochenmark werden rote Blutkörperchen abgebaut und auch neugebildet. Bei einer Urämie werden immer weniger rote Blutkörperchen neugebildet. Das führt zu einer Anämie. Blasse Schleimhäute sind typisch hierfür. Eine weitere Aufgabe der Leber ist auch die Entgiftung. Während einer Urämie ist diese Leistung stark reduziert, wodurch eine weitere Verschlimmerungen des Krankheitsgeschehens entsteht.

Die Augen werden trübe. Sie erscheinen eingesunken, da der Körper das Fett hinter den Augäpfeln verbraucht hat. In ernsten Fällen können sich die Augen durch die Hirnschädigung ruckartig hin und her bewegen (Nystagmus), oder die Pupillen unterschiedlich Weiten aufweisen.

Durch die allgemeine Austrocknung bekommt die Katze einen trockenen Mund. Da nicht mehr ausreichend Speichel produziert wird und damit die Schutzwirkung auf die Mundschleimhaut verloren geht, steigt die Gefahr von Entzündungen im Maulbereich. Übler Mundgeruch ist eine häufige Folge der Urämie. In fortgeschrittenen Fällen kommt es zu Schluckbeschwerden; die Katze hört auf zu fressen.
Außer den bereits erwähnten Symptomen, wie vermehrtes Trinken, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Austrocknung usw. benimmt sich die ältere kranke Katze auch anders. Anfänglich legen sich die Tiere noch gerne an warme Plätze. Mit fortschreitender Erkrankung wechseln sie eher zu kalten Orten. Aus der anhänglich Katze wird ein Tier welches sich nur mehr absondert und schlussendlich versucht weg zu laufen um auf das Ende zu warten.

Die wichtigsten Hinweise auf eine urämische Erkrankung bekommt der Tierarzt meist schon von der Vorgeschichte, welche der Katzenbesitzer schildert. Ein Harn- und Blutuntersuchung ist wichtig. Es gibt bestimmt Werte, wie Kreatinin, Blutharnstoff und Phosphor, welche entsprechende Hinweise liefern.

Die Behandlung:
Das wichtigste Ziel der Behandlung ist, dafür Sorge zu tragen, dass so viele giftige Stoffwechselprodukte wie möglich aus dem Blut entfernt werden. Eine Nierendiät ist hier angezeigt. Diese Diät beinhaltet weniger Eiweiß. Das enthaltene Eiweiß hat aber eine höhere Qualität. Daher werden bei der Verdauung keine oder wenige Abfallprodukte gebildet; die Nieren werden nicht so stark belastet. Die Katze bekommt aber dennoch alle benötigten Nährstoffe. Nierendiäten gibt es von verschiedenen Herstellern, sowohl als Trocken – oder auch Fechtfutter.
Wenn eine Austrocknung des Körpers vorliegt, ist eine Infusion und die Verabreichung von Medikamenten angezeigt.

Die Zahl und Dauer der Behandlungen hängen vom Ausmaß der Urämie ab. Eine Wiederherstellung der ursprünglichen Nieren leistung ist unmöglich. Durch entsprechende Maßnahmen, worunter z.B. auch der Einsatz von Frischzellen fällt, kann das Katzenleben jedoch verlängert werden. Wobei Hauptaugenmark vor allem auf eine gute Lebensqualität der Katze gelegt werden sollte.

Was können sie selbst tun?
Die ersten Anzeichen des Alterns bei ihrer Katze sind sicher schwer zu erkennen. Wenn man mit ihr zusammen lebt, fällt es nicht immer gleich auf, wenn das Fell etwas stumpfer wird, oder sie etwas mehr trinkt. Einmal Erbrechen kommt auch bei gesunden Katzen manchmal vor. Ein Nachlassen der Nierenleistung kann schon ab einem Alter von 6 Jahren auftreten. Wenn die Katze älter als 10 Jahre wird, sollte man doch ab und zu das Gewicht kontrollieren, das Trinkverhalten beobachten und das Temperament beurteilen.

Die Hautelastizität lässt sich leicht überprüfen, indem sie eine Hautfalte zwischen 2 Finger nehmen, etwas hochziehen und sie wieder loslassen. Sie sollte sich sofort verstreichen. Tut sie das nicht, haben sie einen Hinweis, das ihre Katze schon etwas austrocknet. Eine Anämie (Blutarmut) kann man an der Nase, den Zehenballen und an den Mund- und Augenschleimhäuten feststellen. Sie sollten alle schön rosarot sein. Sind die Augen klar? Riecht die Katze aus dem Maul und frisst sie regelmäßig? Wenn ihnen solche Symptome auffallen, sollten sie nicht länger warten.


Gehen sie zum Tierarzt!

Wenn frühzeitig geholfen wird, ist die Aussicht auf ein weiteres langes Leben gegeben.

Eine Urämie oder das Nachlassen der Nierenleistung muss nicht immer im späteren Alter vorkommen. Eine Nierenentzündung oder eine verlegte Harnröhre kann ebenfalls Ursache sein. Manchmal liegt die Ursache bei einem anderen Organ, zum Beispiel einer erkrankten Leber, wodurch die Niere sekundär erfasst wird.

Daher ist eine rechtzeitige gründliche Untersuchung durch ihren Tierarzt unbedingt erforderlich.